![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Kleines Mikroskop von Friedrich Wappenhans; Flachfußstativ um 1860 im Kasten. Das Mikroskop besteht aus zaponiertem und geschwärztem Messing und gebläutem Stahl. Die grobe Einstellung wird über einen Schiebetubus ermöglicht, der Feinfokus durch eine die Säule durchstoßende Rändelschraube, welche die Tischplatte gegen eine Feder hebt - diese Konstruktion der Feineinstellung wird nach ihrem Erfinder auch als Norbert'scher Tisch bezeichnet. In der mechanischen Ausführung erinnert dieses Mikroskop in nahezu allen Details an das kleine Mikroskop von F.W. Schiek in Berlin.
![]() Die Okulare
sind mit Nr. 1, Nr.
2 und Nr.
3 nummeriert. An weiterer optischer Ausstattung
dieses einfachen kleinen Mikroskops findet man ein zweiliges Satzobjektiv
mit den Schlagzahlen
1
und 2. Der Tubus ist
zum Ausziehen eingerichtet.
Der Plan- und Konkavspiegel ist vierfach gelagert und ermöglicht damit schiefe Beleuchtung des Objekts, die Zylinderschiebehülse verfügt über zwei wechselbare Aperturblenden, in die Tischplatte ist eine runde schwarze Glasplatte eingelegt. |
Die Signatur des Instrumentes befindet sich auf der Hülse
für den Tubus. Hier liest man in dekorativer Schrift:
in Berlin No 87 Liegend wird das Mikroskop im Mahagoni-Kasten untergebracht. Im Deckel dieser Kastette ist eine handgeschriebene Vergrößerungstabelle eingeklebt. Eine kleine Schublade im Kasten dient zur Aufbewahrung von Deckgläschen und ähnlichem. Den Aussparungen des Kastens nach verfügte das Instrument ursprünglich noch über eine Pinzette, eine feuchte Kammer und ein weiteres Objektiv. Hier handelt es sich um eines jener Stative, die Rudolf Virchow in seiner "Darstellung der Lehre von den Trichinen, mit Rücksicht auf die dadurch gebotenen Vorsichtsmaßregeln" (Verlag von G.Reimer; Berlin 1864) als für die Trichinenschau zu verwendend empfiehlt:
Wenn zu diesem Zwecke die besten Instrumente, wie immer, vorzuziehen sind,
so sind diese doch nicht gerade nothwendig. Im Gegentheil genügen dazu
schon Mikroskope mit mäßigen Vergrößerungen, wobei
ich jedoch darauf aufmerksam mache, daß schlechte Mikroskope, welche
eine starke Vergrößerung prätendiren, in der Regel weniger
brauchbar sind, als gute Instrumente mit sehr mäßiger
Vergrößerung. Als Mikroskophersteller wird Friedrich Wappenhans erstmals in einem Schreiben des preußischen Kulturministeriums an Prof. Schultz-Schulzenstein im Jahre 1851 erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Werkstatt von Wappenhans in der Besselstraße 18 in Berlin. Als Instrumentenbauer taucht Wappenhans bereits 1840 auf, wohnhaft in der Mauerstraße 33 - dem Nachbarhaus der Werkstatt des bekannten Berliner Mechanikers Carl Pistor.
Wappenhans (Besselstrasse 18, Berlin), welcher noch das ältere Princip verfolgt, und die Vergrößerung mehr durch das Ocular gewinnt, liefert Instrumente, die in ihren optischen Leistungen den Mikroskopen SCHIEK's am nächsten stehen; die Bilder sind scharf, aber nicht ganz farbenfrei. Indes darf ich mir über die neuesten Instrumente des Optikers kein Urteil erlauben. Nach Verlangen giebt derselbe sowohl das große Stativ nach OBERHÄUSER. als auch das Stangenstativ nach SCHIEK. Die kleineren Instrumente (zu 50 Thlr. Pr. Cour.) haben den Tisch nach NOBERT und eine gut construirte Einrichtung für schiefe Spiegelstellung. Die Vergrößerung dieser Mikroskope geht von 36 - 700 mal. Noch kleinere Instrumente nach dem Vorbilde der kleinen Mikrosskope von OBERHÄUSER kosten 35 Thlr. In den Adressbüchern Berlins wird Wappenhans bis Ende der 1860er als Mechaniker und Optiker geführt. Dieses Mikroskop kann im August 2005 für die Sammlung erworben werden. (Vergleiche Referenz 37 und unveröffentliche Recherchen von Hans Weil, Berlin) |
| home | Mikroskopie | Spektroskopie | Varia |
© 2005 - 2008 by Timo Mappes, Germany