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| Frühes kleines Mikroskop von Gundlach; Stativ 7
um 1867. Das Mikroskop ist gefertigt aus zaponiertem und geschwärztem
Messing. Das Instrument verfügt über einen Schiebetubus für
die Grobeinstellung und eine Feineinstellung über einen aufwendigen
Mechanismus zur feinen spielfreien Kippung der Tischebene. Die Beleuchtung
erfolgt über einen außerhalb der optischen Achse beweglichen Plan-
und Konkavspiegel. Die Blendung wird über einen Lochblendenrevolver
erzielt. Das Instrument ist in der Ausstattung mit beiden Objektklemmen komplett
erhalten. Liegend wird es im Edelholzkasten untergebracht.
Ausgerüstet ist das Mikroskop mit den Okularen I
und III, bei denen jeweils die
Augenlinse in einer Schiebehülse geführt wird, um so eine individuelle
Einstellung des Okulars für das Auge des Betrachters zu ermöglichen.
Auf dem runden Fuß ist das Mikroskop dekorativ signiert:
No. 120 |
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Dieses Stativ 7 wird im Preis-Courant des optischen Instituts
von E. Gundlach Berlin aus dem Jahre 1868 angeboten als:
Nr. 7 Kleine Mikroskop, Runder Fuss. Freie Schiebung des Tubus; genaue Einstellung am Objecttisch; Hohlspiegel. Hierzu die Objective Nr. II und Nr. V, Oculare I und III; letzteres mit Mikrometer zum Einschieben; Vergrösserung 70-500fach; 3 Test-Objecte, 6 Objectträger, Deckgläser etc. In Mahagonikasten... 26 Thlr. Dasselbe Instrument ohne Mikrometer ... 24 Thlr. Ernst Gundlach wird 1834 in Pyritz (Pommern) geboren und geht ab dem 14. Lebensjahr beim Berliner Hofmechaniker C. Lewert in die Lehre. Nach Abschluss seiner Ausbildung dort reist er über Wien und Amsterdam nach Paris um unter anderem in der Werkstatt von Oberhäuser/Hartnack zu arbeiten. Schließlich führt ihn seine Wanderschaft nach Wetzlar wo er im Optischen Institut arbeitet, welches zu jener Zeit (1858) von Friedrich Belthle geleitet wird. In Wetzlar heiratet Gundlach im Sommer 1859 und gründet mit Unterstützung seines aus jener Stadt stammenden Schwagers einen eigenen Betrieb. Die beiden Brüder Wilhelm (1840 1925) und Heinrich (1842 1907) Seibert, welche als Verwandte Kellners noch unter dem Institutsgründer angelernt worden sind, kann Gundlach für seine neue Firma gewinnen und zur Kündigung bei Belthle überreden. Knapp ein Jahr später geht das Unternehmen jedoch wieder ein und Gundlach reist nach England ohne seine Schulden in Wetzlar zu begleichen. Auf den britischen Inseln arbeitet er bei verschiedenen Optikern und Mechanikern und kehrt schließlich 1865 nach Deutschland zurück um 1866 ein Optisches Institut in Berlin zu gründen. |
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Hartnack 1859 die Wasserimmersion in die moderne Mikroskopie einführt,
stellt Gundlach sieben Jahre später Glyzerin-Immersions-Systeme vor
und gewinnt bereits 1867 mit diesen Objektiven eine Goldmedaille in Paris.
Die Instrumente aus der Werkstätte von Ernst Gundlach erlangen durch
ihre hervorragenden Optiken rasch einen guten Ruf, nicht zuletzt durch die
enge Zusammenarbeit Gundlachs mit den preußischen Universitäten.
So wird das Lob des berühmten Bakteriologen Ferdinand Julius Cohn im
48. Jahres-Bericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische
Cultur (Josef Max und Komp., Breslau 1871) für die Mikroskope von
Ernst Gundlach wiedergegeben. Für das Pflanzenphysiologische Institut
der Universität Breslau hat Prof. F. J. Cohn ein
Stativ Nr. 5 von E. Gundlach mit den Objektiven
II, IV, VI und VIII erworben und bescheinigt bei der fünften Versammlung
der Gesellschaft im Frühjahr 1870 den Optiken eine colossale Stärke
der Vergrösserung, Reinheit des Bildes, Grösse des Gesichtsfeldes
und der Focaldistanz [...] wie sie in dieser Vollendung bisher allein
Hartnack zu leisten im Stande war.
Durch diese Reputation und hohe Löhne gelingt es Gundlach die ihm aus der Vergangenheit bekannten Gebrüder Seibert in Wetzlar für die Produktion von Stativen für seine Berliner Firma zu überzeugen. Beide haben mittlerweile Erfahrung in anderen Werkstätten gesammelt und beliefern zuvor Belthle in Heimarbeit, bis sie schließlich ausschließlich für Gundlach fertigen. Während Heinrich Seibert Mikroskoplinsen zur Fassung nach Berlin liefert, produziert Wilhelm Seibert Stative für Ernst Gundlach. |
| Das Unternehmen expandiert und zieht bis Anfang 1871 bereits zwei Mal
in größere Räume um. Die überdurchschnittlich hohen
Löhne werden Gundlach jedoch zum Verhängnis und so muss er im August
1872 Konkurs anmelden.
(Referenz 2, 37, 89) |
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