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| Mittleres Mikroskop von Gundlach; Stativ 5 um 1868; Mikroskop
aus zaponiertem und geschwärztem Messing. Das Instrument verfügt
über einen Schiebetubus für die Grobeinstellung und eine
Feineinstellung über Parallelogrammführung, zu bedienen durch ein
Rändelrad unter der Tischebene.
Die Beleuchtung erfolgt über einen außerhalb der optischen Achse beweglichen Konkavspiegel. Die Blendung wird über eine Revolverlochblendenschiebe mit vier Aperturen und einer integrierten Kondensorlinse erzielt.
No 239. Die optische Ausrüstung des Instruments umfasst die Objektive E. Gundlach No I, E. Gundlach No III und E. Gundlach No V sowie die Okulare Nr. I, Nr. II und Nr. III . Das Instrument ist mit den beiden Objektklemmen in der Ausstattung komplett. Liegend wird das Mikroskop im Mahagonikasten untergebracht. Dieses Stativ 5 wird im Preis-Courant des optischen Instituts von E. Gundlach Berlin aus dem Jahre 1868 angeboten als:
Dasselbe Instrument mit den Objectiven Nr. I, III und V, Ocularen I und III; Vergrösserung 30-500fach; Mikrometer, 4 Test-Objecte, 6 Objectträger, Deckgläser etc. ... 40 Thlr. [...] Ocular Nr. I, II und IIIa ... 2 1/2 Thlr.
Die eingeschlagene Zahl 239 ist in die Objektive und Okulare des Mikroskops eingeschlagen, nur Objektiv Nr. V trägt die Zahl 240. Das hier gezeigte Mikroskop stammt aus dem Nachlass von Prof. Herman Tewes Deelman (1892-1965), Pathologe und Pionier bei der Erforschung von Hautkrebs. Deelman leitet 1919-1924 die Pathologie des Antoni van Leeuwenhoekhuis in Amsterdam. Er folgt 1924 einem Ruf an die Universität Groningen und kehrt 1934 nach Amsterdam zurück, dort wirkt er unter anderem am Wilhelmina Gasthuis Krankenhaus. H. T. Deelman wird dieses Mikroskop sicher nicht für seine Forschungen eingesetzt haben, möglicherweise stammt es aus seiner frühen Studienzeit oder aus seiner privaten Sammlung. Ende Juli 2007 kann das Mikroskop für diese Sammlung erworben werden. |
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| Knapp ein Jahr später geht das Unternehmen jedoch wieder ein und
Gundlach reist nach England ohne seine Schulden in Wetzlar zu begleichen.
Während Hartnack 1859 die Wasserimmersion in die moderne Mikroskopie einführt, stellt Gundlach sieben Jahre später Glyzerin-Immersions-Systeme vor und gewinnt bereits 1867 mit diesen Objektiven eine Goldmedaille in Paris. Die Instrumente aus der Werkstätte von Ernst Gundlach erlangen durch ihre hervorragenden Optiken rasch einen guten Ruf, nicht zuletzt durch die enge Zusammenarbeit Gundlachs mit den preußischen Universitäten. So wird das Lob des berühmten Bakteriologen Ferdinand Julius Cohn im 48. Jahres-Bericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur (Josef Max und Komp., Breslau 1871) für die Mikroskope von Ernst Gundlach wiedergegeben. Für das Pflanzenphysiologische Institut der Universität Breslau hat Prof. F. J. Cohn ein Stativ Nr. 5 (den konstruktiven Nachfolger des hier gezeigten Mikroskops) mit den Objektiven II, IV, VI und VIII erworben und bescheinigt bei der fünften Versammlung der Gesellschaft im Frühjahr 1870 den Optiken eine colossale Stärke der Vergrösserung, Reinheit des Bildes, Grösse des Gesichtsfeldes und der Focaldistanz [...] wie sie in dieser Vollendung bisher allein Hartnack zu leisten im Stande war.
Das Unternehmen expandiert und zieht bis Anfang 1871 bereits zwei Mal in größere Räume um. Die überdurchschnittlich hohen Löhne werden Gundlach jedoch zum Verhängnis und so muss er im August 1872 Konkurs anmelden.
Gundlach wandert mit seiner Frau und dem gerade 4 Wochen alten Sohn Karl in die USA aus um dort kurzzeitig mit Prof. Robert Bruce Tolles zusammen zu arbeiten. Schließlich baut Gundlach 1876 die neu gebildete Mikroskop-Abteilung von Bausch & Lomb Optical Company auf und entwickelt hier unter anderem den Professional-Stand (darauf verschiedene Patente, sowie die Goldmedaille auf der Weltausstellung in Philadelphia). Im Jahr 1878 macht sich der als im persönlichen Umgang schwierig beschriebene Ernst Gundlach mit der Gründung der Gundlach Manhattan Optical Comp. in Rochester, NY selbstständig - die Firma wird 1884 in Gundlach Optical Company umbenannt und 1893 zieht sich Gundlach aus dem Unternehmen zurück. 1904 kehrt Gundlach nach Berlin zurück, er soll hier in hohem Alter noch einmal einen Betrieb gegründet haben - 1908 erliegt er den Folgen eines Schlaganfalls.
(Referenz 2, 37, 89) |
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