![]() |
![]() |
![]() |
| Seltenes Reisemikroskop von Plössl in Wien, Stativ Nr. 4
um 1845. Das Mikroskop besteht aus zaponiertem und gebeiztem Messing, blankem
und gebläutem Stahl sowie aus einer lederbezogenen Holzschatulle. Das
Mikroskop verfügt über einen zweifach gelagerten Konkavspiegel.
Die Fokussierung erfolgt über einen Seitlichen Trieb, der auf eine
Zahnstange wirkt, welche in die zur Führung dienende Prismenstange
eingelassen ist.
Zum Transport wird das Instrument zerlegt und in der mit rotem Spaltleder ausgeschlagenen Schatulle verstaut. Auf dem Tubus ist das Instrument dekorativ signiert: Die optische Ausrüstung des Mikroskops besteht zeittypisch aus einem dreiteiligen Objektiv, dessen einzelne achromatischen Linsensätze mit den Schlagzahlen Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3 bezeichnet sind. Das Okular ist im Tubus verschraubt.
Diese Beschreibung erklärt die Verwendung der diesem Instrument beigegebenen Optiken und macht deutlich, warum die Linse 3 des hier gezeigten Mikroskops über ein Frontgewinde verfügt: Man kann sie mit weiteren Linsen zu höher vergrößernden Systemen kombinieren. An originalem Zubehör des Mikroskop ist eine über drei Lager bewegliche, an der Tischplatte zu befestigende Pinzette erhalten. |
|||||||
![]() Von der ursprünglich ebenfalls ausgelieferten Auflichtlupe
ist nur noch die Halterung und das Gelenk vorhanden.
Der Artikel Simon Plößl (1794-1868) Optiker und Mechaniker in Wien (Zur Entwicklungsgeschichte der Plößl-Mikroskope) (Josef Hölzl, Engelbert Bancher, Franz Kotlan in: Technisches Museum für Industrie und Gewerbe in Wien / Forschungsinstitut für Technikgeschichte: Blätter für Technikgeschichte 31, Wien 1969) beschreibt alle bis 1969 bekannt gewordenen Mikroskope aus der Werkstatt Plössls, die sich in staatlichen Museen oder privaten Sammlungen befinden. |
|||||||
|
|||||||
| Das Reisemikroskop wird hier in unterschiedlicher Bauart in nur drei erhaltenen Exemplaren als bekannt beschrieben. Das älteste Exemplar verfügt über eine Stativrundsäule, drei breite Objektive, Tubustrieb und Maroquin-Futteral; ein Dreifuß ist nachträglich ergänzt. | |||||||
|
|||||||
Georg
![]() Simon Plößl (1794-1868) absolviert die Normalschule
und besucht danach eine Lehre als Drechsler. Es schließt sich ab 1812
eine elfjährige Lehr- und Gesellenzeit als Optiker bei Johann Friedrich
Voigtländer an.
In der Goldeggasse in Wien macht sich Plößl 1823 mit einem optisch-mechanischen Institut selbständig. Ab 1830 produziert er achromatische Objektive höchster Qualität, deren Technik durch ihn nach England ausgeführt wird. Neben Mikroskopen lieg der Schwerpunkt seiner Produktion seit 1832 bei nach J.J. von Littrows (1781 - 1840) Anweisungen konstruierten dialytischen Fernrohren. Schon 1835 wird Plössl bei der Wiener Industrieausstellung für seine Arbeiten mit der goldenen Medaille ausgezeichnet - im selben Jahr erhält er ferner das Wiener Bürgerrecht. Ein pankratisches (bildaufrichtendes) Mikroskop wird von Plössl ab 1843/44 als Stativ Nr. 5 angeboten. Simon Plößl stirbt am 29. Januar 1868 durch einen Unfall, bei dem ihm eine herunterfallende Glasplatte den Arm zerschneidet und er an der Verletzung verblutet. Mikroskope werden unter dem Firmennamen S. Plössl & Comp. bzw. S. Plössl & Cie bis 1905 weiter produziert. Bis 1882 werden die eigentlichen, typischen Plössl-Mikroskope angeboten, die Produktion jedoch ab 1875 sukzessive auf die Herstellung von Hufeisenstativen umgestellt. Inhaber der Werkstätte nach Simon Plößls Tod ist 1868 Anna Fleckenstein, geborene Plößl, ab 1871 zusammen mit dem k.u.k. Hofoptiker Mathäus Wagner. Ab 1874 führt die Werkstätte M. Wagner alleine, er nimmt 1888 M. Josef Wagner mit auf. Im Jahre 1905 läuft die Firma auf Marie Wagner. (Referenz 2, 3, 22, 86) |
| home | Mikroskopie | Spektroskopie | Varia |
© 2008 by Timo Mappes, Germany