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| Labormikoskop Winkel; um 1895; vollvernickeltes Messing,
gebläuter Stahl. Das Mikroskop verfügt über einen Auszugstubus
mit Feststellschraube, die Fokussierung geschieht über einen Grobtrieb
mit zwei Rändelrädern und ein Rändelrad auf der Säule
als Feintrieb mit 1/300
mm Inkrementen (!) zur Dickenmessung.
Der zugehörige dunkle, kasettenartige Schrank mit vernickeltem Griff und auch dessen Einschübe sind ungewöhnlich aufwendig gearbeitet.
R.Winkel Göttingen |
Hervorzuheben ist die optische Ausstattung dieses Mikroskops: Erst 1893 werden bei Winkel Fluoritsysteme eingeführt (vergleiche die sehr frühe 1.9 mm Homogene Immersion eines ähnlichen Statives auf diesen Seiten):
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Die Okulare Nr. 2 Compens-Ocul., Nr. 4 Compens-Ocul. und Nr. 6 Mikrometer Compens-Ocul. (mit Mikrometerplättchen) werden in einem gesonderten Einschub untergebracht. |
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| Besonders zu erwähnen ist ferner auch, dass die Firmen Zeiss und
auch Hartnack zwar schon mindestens seit Mitte der 1880er vor allem kleine
Stative für den Laborgebrauch ganz oder teilweise vernickeln, Winkel
jedoch wohl erst ab Beginn der 1890er für die Anwendung in chemisch
aggressiver Laborumgebung voll-vernickelte Stative anbietet.
Winkel lernt bei der Hamburger Firma Lipperts Maschinenbauer und erweitert seine handwerklichen Fähigkeiten bei der Eggerstorffschen Maschinenfabrik Hannover. Auf eine Beschäftigung beim Bau feinmechanischer Instrumente im Betrieb von F.W. Breithaupt & Söhne Kassel folgen für Rudolf Winkel mehrjährige Aufenthalte in verschiedenen Werkstätten Thüringens, Böhmens und Österreichs. Schließlich kehrt Winkel um 1855 nach Göttingen zurück und baut bei den Gebrüdern Meyerstein feinmechanische Instrumente für die Göttinger Universität, er heiratet noch im selben Jahr. 1857 mietet Winkel in der Goethe-Allee Göttingen Räume an, um dort feinmechanische Arbeiten für Breithaupt und die Universität auszuführen.
Als Folge des Krieges 1866 gerät das noch junge Unternehmen in Schwierigkeiten, da die Verbindung nach Kassel abreißt und damit ein wichtiger Kunde verloren geht. Doch eine Trichinose-Epidemie in Süd-Hannover läßt die Nachfrage nach einfachen Mikroskopen durch Rudolf Virchows Publikation 1864 zur mikroskopischen Fleischbeschau sprunghaft steigen und so verläßt im Jahre 1866 das erste Trichinenmikroskop die Winkel'sche Werkstatt. 1870 kommen aus Göttingen die ersten größeren Mikroskope, sie werden von Prof. Listing begutachtet - er vergleicht sie mit den damals sehr renommierten englischen Instrumenten und bescheinigt Winkel eine bessere Qualität seiner Instrumente als jene der Britischen Inseln. Bemerkenswert scheint dies insbesondere vor dem Hintergrund Winkels, der als Autodidakt sogar die von ihm verwendeten Maschinen zur Fertigung der Mikroskope selbst konstruiert und sämtliche Optiken zu dieser Zeit noch "pröbelnd" optimiert. Die Winkel'sche Werkstatt zieht 1874 in eigene Räume: Düstere Eichenweg 9, Ecke Baurat Gerber-Straße in Göttingen - 1885 wird die Produktionsstätte erweitert. |
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| Bereits in den Jahren 1872, 1877 und 1880 treten die Söhne Carl
Winkel (20.08.1857 - 14.06.1908) - als Werkstattleiter ab 1885, Hermann Winkel
(11.05.1860 - 04.08.1935) und Albert Winkel (27.04.1863 - 05.11.1919) als
Lehrlinge in die väterliche Werkstatt ein. Sie übernehmen im Laufe
der Jahre getrennt Aufgaben als Technischer Kaufmann, Mechaniker (wegen der
künstlerischen Veranlagung auch zuständig für das Design der
Instrumente) und Optiker. Die Hauptarbeit leistet jedoch bis ins hohe Alter der Firmengründer selbst.
Um 1893 wird bei Winkel erstmalig Flußspat für Mikroskop-Objektive verwendet, ein Jahr bevor der ehemalige Göttinger Student Ernst Abbe Winkels Werkstatt seinen ersten Besuch abstattet. |
Es wird Rudolf Winkel nachgesagt,
er habe jedes Instrument seiner Werkstätte selbst überprüft
und ein Mikroskop der geringfügigsten Unebenheit wegen mit dem Hammer
zerschlagen, ohne die Möglichkeit zur Behebung des Fehlers nur in Betracht
zu ziehen.
Rudolf Winkel stirbt am 29. Januar 1905. Das Winkel'sche Unternehmen liefert bis zum Jahre 1900 keine 3000 Mikroskope aus, ist aber stets im Kontakt zu den Anwendern der Instrumente und so auch bereit und fähig z.B. Sonderkonstruktionen im Bereich der petrographischen Mikroskope anzufertigen. 1907 werden neugebaute Fabrikgebäude in der Königsallee bezogen und die Serienfertigung wird eingeführt, das Fertigungsprogramm dabei wesentlich ausgeweitet. Über die weitere Geschichte von "R.Winkel Göttingen", siehe die Diskussionen späterer Instrumente der Firma auf diesen Seiten! |
| [Referenz 2, 32, 44]
(Mit freundschaftlicher Unterstützung von Olaf Medenbach) |
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